Joachim Ringelnatz
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Wirklich, er war unentbehrlich
Wilhelm Busch

Mein Lebenslauf ist bald erzählt:
In stiller Ewigkeit verloren
Schlief ich, und nichts hat mir gefehlt,
Bis dass ich sichtbar ward geboren.
 
Was aber nun? Auf schwachen Krücken,
Ein leichtes Bündel auf dem Rücken,
Bin ich getrost dahingeholpert,
Bin über manchen Stein gestolpert,
 
Mitunter grad, mitunter krumm,
Und schließlich musst ich mich verschnaufen.
Bedenklich rieb ich meine Glatze
Und sah mich in der Gegend um.
 
O weh! Ich war im Kreis gelaufen,
Stand wiederum am alten Platze,
Und vor mir dehnt sich lang und breit,
Wie ehedem, die Ewigkeit.

Wilhelm Busch - Fotografie von 1861 - (c)Wilhelm-Busch-Gesellschaft, Hannover

Wilhelm Busch (Fotografie von 1861)


Er stellt sich vor sein Spiegelglas und arrangiert noch dies und das ...


Wilhelm Busch Selbstporträt Selbstporträt als Bettler Selbstporträtskizze Selbstporträt mit Weinglas Selbstporträt Wilhelm Busch

DIE SELBSTKRITIK HAT VIEL FÜR SICH

Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich,
So hab ich erstens den Gewinn,
Dass ich so hübsch bescheiden bin;

Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;

Und viertens hoff ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Dass ich ein ganz famoses Haus.

(aus “Kritik des Herzens”)

In der Interpretation von Peter Welk
können Sie das Gedicht “Die Selbstkritk ...” mit Linksklick
hier aufrufen, mit Rechtsklick (speichern unter) als mp3-Datei herunterladen.

Der Komponist Thomas Peter-Horas hat das Gedicht zu einem Blues vertont, und so wird es auch vorgetragen
.

Sein 175. Geburtstag fiel auf den 15. April 2007, der 100. Todestag fällt auf den 9. Januar 2008. Unsterblichkeit garantieren ihm die Wilhelm-Busch-Gesellschaft und eine Menge Wilhelm-Busch-Vereine. Ungezählte Straßenschilder tragen seinen Namen, Schulen haben sich nach ihm benannt, und selbst hartgesottene Lyrikverächter sollen schon von ihm gehört haben. Der alte Schragen Wilhelm Busch – er wird bis in alle Dichterewigkeit nicht totzukriegen sein. Gott sei Dank. Wie überschwänglich haben ihm die Kollegen alle gehuldigt: Tucholsky, Ringelnatz, Kästner, Gernhardt. Einer hat seine Verehrung ganz wunderbar in holpernde Worte gefasst, der norwegische Simplicissimus-Karikaturist Olaf Gulbransson: „… Ich wär auch zu bescheiden über so einen Riesenvormat von ein Kerl – über Wilhelm Busch was zu schreiben. Ich kann ihm bloß anbeten.“ Den Bildergeschichtenerfinder Wilhelm Busch kennt man vermutlich auch am Nordpol. Den Zitate-Busch – na? Googeln sie mal mit den Wörtern: Zitat und Busch; die Suchmaschine spuckt hunderttausende von Treffern aus. Und den Lyriker Wilhelm Busch – hinter der schönen Schmucklosigkeit seiner Verse verbirgt sich ein unfehlbarer und konkurrenzlos selbstbewusster Stilist. Albert Einstein hat es so ausgedrückt: „Wilhelm Busch, insbesondere der Schriftsteller Busch, ist einer der größten Meister stilistischer Treffsicherheit. Ich denke – außer vielleicht Lichtenberg – hat es keinen Ebenbürtigen in deutscher Sprache gegeben.“

Wilhelm Busch 1906

SUMMA SUMMARUM

Sag, wie wär es, alter Schragen,
Wenn du mal die Brille putztest,
Um ein wenig nachzuschlagen,
Wie du deine Zeit benutztest.

Oft wohl hätten dich so gerne
Weiche Arme weich gebettet;
Doch du standest kühl von ferne,
Unbewegt, wie angekettet.

Oft wohl kams, dass du die schöne
Zeit vergrimmtest und vergrolltest,
Nur weil diese oder jene
Nicht gewollt, so wie du wolltest.

Demnach hast du dich vergebens
Meistenteils herumgetrieben;
Denn die Summe unsres Lebens
Sind die Stunden, wo wir lieben.

Wirklich, er war unentbehrlich!
Überall, wo was geschah
Zu dem Wohle der Gemeinde,
Er war tätig, er war da.

Schützenfest, Kasinobälle,
Pferderennen, Preisgericht,
Liedertafel, Spritzenprobe
Ohne ihn, da ging es nicht.

Ohne ihn war nichts zu machen,
Keine Stunde hatt’ er frei.
Gestern, als sie ihn begruben,
War er richtig auch dabei.

Wilhelm Buschs Beerdigung - Fotografie (c) dpa

Gestern, als sie ihn begruben ...

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