Joachim Ringelnatz
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So leben wir dahin, das Dach und ich
Theodor Kramer

In der Interpretation von Peter Welk
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Theodor Kramer 1957
“Der Herbst” - Giuseppe Arcimboldo (1527-1593)

“Der Herbst” - Giuseppe Arcimboldo (1527-1593)

Das Blechdach

Mein Zimmer ist das höchste hier im Haus;
Es streckt vorm Fenster sich ein Blechdach aus.

Die Jahre lasten auf mir altem Mann;
Es sammelt sich auf ihm viel Unrat an.

Verputz und Staub, der Rost, der es zerfrisst,
Der grün verdorrte, scharfe Taubenmist.

Papier, zerknüllt, von meinem Tisch und Fach.
Der Regen schlägt wie Erbsen hart aufs Dach,

Der Nebel wird zum Reif, die Glut zum Stich;
So leben wir dahin, das Dach und ich.

Theodor Kramer (1897-1958)

Die Literaturwelt hat ihn vergessen, aber er zählte einmal zu den meistgelesenen Lyrikern im deutschsprachigen Raum: Theodor Kramer. Seinen 50. Todestag am 3. April ignorierten die Feuilletons. Immerhin war im vergangenen Jahr zum 110. Geburtstag Kramers von Reich-Ranicki in der FAZ zu lesen: „Kramer, geboren 1897, gehört zu den bedeutendsten österreichischen Lyrikern seiner Generation. Ab 1915 nahm er am Ersten Weltkrieg teil und wurde 1916 schwer verwundet. Das Studium der Geschichte, der Germanistik und der Philosophie musste er aus finanziellen Gründen abbrechen. Dann war er Buchhändler und Verlagsvertreter und veröffentlichte ab 1926 hier und da Gedichte.“ Und weiter: „Sicher ist, dass der offensichtlich lebensuntüchtige und wohl etwas chaotische Kramer wie kaum ein anderer Autor dieser Epoche ein wunderbarer poetischer Zeitkritiker war. Sehr bald wurde er zum Sprecher der Außenseiter und der Randfiguren, der Erniedrigten und der Beleidigten, der geschundenen Kreatur.“ Und schließlich: „Man hört in diesen Versen das Echo Georg Trakls ...“. Trakls Gedicht „Der Herbst des Einsamen“ beginnt so: „Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle / Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen. / Ein reines Blau tritt aus verfallner Hülle; / Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen. / Gekeltert ist der Wein, die milde Stille / Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.“ Im Herbst des einsamen Theodor Kramer haben Farbe und Erfüllung keinen Raum.

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