|
Ein großer Seemann wollte er werden, der kleine Herr aus dem sächsischen Wurzen, weil er aber kurzsichtig war, ging’s schief. Er musste sich als Agent durchschlagen, probierte es als Archivar und Dekorateur, war Bibliothekar bei Baron von Münchhausen, versuchte sich als Fremdenführer und Gartenbauschüler und gab im Telefonbuch, weil es nach Höherem klang, als Beruf Kunstmaler an. Vielleicht seiner Frau zuliebe, die er Muschelkalk nannte, Tochter eines Bürgermeisters einer märkischen Kleinstadt, deren sanfte Bürgerlichkeit so gar nicht zu der vagabundierenden Unvernunft des Joachim Ringelnatz passte, der eigentlich Hans Bötticher hieß: geboren am 7. August 1883. Der letzte Bajazzo des literarischen Kabaretts, wie man ihn bewundernd genannt hat.
Die Nazis verbrannten seine Bilder, setzten seine Bücher auf die schwarze Liste, und per Verfügung vom 12. April 1933 wurde das „geplante Auftreten des Schriftstellers Joachim Ringelnatz in der Künstlerkneipe Simplizissimus zum Schutze von Volk und Staat" von der bayerischen Polizei untersagt. Um leben zu können, machte er seifenblasenbunte Reklame-Verse: „Es wechseln die Moden, aber der Hosenboden bleibt sinngemäß immer unterm Gesäß.”
Der Schauspieler Paul Wegener hat diesen unmöglichen, unverzagten, unermüdlich Unsinn in Dichtung umwünschenden Sternengucker Joachim Ringelnatz so beschrieben: "Er war ein Mensch, der am liebsten die Blumen im Teppich begossen hätte, weil die niemals Wasser bekommen." Am 17. November 1934 starb Ringelnatz. Bei der Beerdigung spielte die Orgel sein Lieblingslied: La Paloma.
|