Joachim Ringelnatz
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Heine-Bildnis mit Maske

Alle haben ihren Heine. „Ich lasse mir auch von Heine meinen Heine nicht vermiesen.“ So brachte es in einem Zeitungsinterview die Heine-Preisträgerin Alice Schwarzer pointierend auf den Punkt. Meinen Heine – der in persönlichen Besitz genommene Dichter, von dem man bis heute nicht weiß, wie er ausgesehen hat. Er hätte sich fotografieren lassen können, hat er aber nicht. Auf keinem der zahlreichen Porträts, die es gemalt und gezeichnet von ihm gibt, habe er sich ähnlich gesehen, urteilten die Zeitgenossen. Heine – der Maskenspieler? Die Leute gehen zu den Lesungen und alle bringen sie im Kopf ihren Heine mit. Heine, den Verführer, zum Beispiel. War er denn tatsächlich dieser patentierte Frauenheld, als den er sich in seinen Gedichten darstellte? Ein Liebeslyriker war er – und was für einer! Der am Lebensende sein vermeintliches Verführertum orakelnd so zusammenfasste: „Wirklich geliebt habe ich nur Statuen und Tote.“


Schattenküsse, Schattenliebe,
Schattenleben, wunderbar!
Glaubst du, Närrin, alles bliebe
Unverändert, ewig wahr?

Was wir lieblich fest besessen,
Schwindet hin, wie Träumerein,
Und die Herzen, die vergessen,
Und die Augen schlafen ein.

Mir träumte wieder der alte Traum:
Es war eine Nacht im Maie,
Wir saßen unter dem Lindenbaum,
Und schwuren uns ewige Treue,

Das war ein Schwören und Schwören aufs Neu,
Ein Kichern, ein Kosen, ein Küssen;
Dass ich gedenk des Schwures sei,
Hast du in die Hand mich gebissen.

O Liebchen mit den Äuglein klar!
O Liebchen schön und bissig!
Das Schwören in der Ordnung war,
Das Beißen war überflüssig.
 

Schattenküsse
Schattenliebe
Heinrich Heine

Jugend, die mir täglich schwindet,
Wird durch raschen Mut ersetzt,
Und mein kühnrer Arm umwindet
Noch viel schlankre Hüften jetzt.

Tat auch manche sehr erschrocken,
Hat sie doch sich bald gefügt;
Holder Zorn, verschämtes Stocken
Wird von Schmeichelei besiegt.

Doch, wenn ich den Sieg genieße,
Fehlt das Beste mir dabei.
Ist es die verschwundne, süße,
Blöde Jugendeselei?

In der Interpretation von Peter Welk
können Sie die beiden Heine-Gedichte mit Linksklick hier aufrufen, mit Rechtsklick (speichern unter) als mp3-Datei herunterladen.

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