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Sei's gegeben, wie's mich packte, Mocht es oft auch in vertrackte Bildungen zusammenschießen. Kritisiert es streng und scharf, Doch wenn ich euch raten darf: Habt auch Unschuld zum Genießen.
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DER WERWOLF
Ein Werwolf eines Nachts entwich Von Weib und Kind und sich begab An eines Dorfschullehrers Grab Und bat ihn: „Bitte, beuge mich!“
Der Dorfschulmeister stieg hinauf Auf seines Blechschilds Messingknauf Und sprach zum Wolf, der seine Pfoten Geduldig kreuzte vor dem Toten:
„Der Werwolf”, sprach der gute Mann, „Des Weswolfs, Genitiv sodann, Dem Wemwolf, Dativ, wie mans nennt, Den Wenwolf, – damit hats ein End.“
Dem Werwolf schmeichelten die Fälle, Er rollte seine Augenbälle. „Indessen”, bat er, „füge doch Zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!”
Der Dorfschulmeister aber musste Gestehn, dass er von ihr nichts wusste. Zwar Wölfe gäbs in großer Schar, Doch Wer gäbs nur im Singular.
Der Wolf erhob sich tränenblind – Er hatte ja doch Weib und Kind! Doch da er kein Gelehrter eben, So schied er dankend und ergeben.
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In der Interpretation von Peter Welk können Sie das Gedicht mit Linksklick hier aufrufen, mit Rechtsklick (speichern unter) als mp3-Datei herunterladen. Ein Live-Mitschnitt!
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Bilder, die man aufhängt umgekehrt, Mit dem Kopf nach unten, Fuß nach oben, Ändern oft verwunderlich den Wert, Weil ins Reich der Fantasie erhoben.
Palmström, dem schon frühe solches kund, Füllt entsprechend eines Zimmers Wände, Und als Maler großer Gegenstände Macht er dort begeistert Fund auf Fund.
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Christian Morgenstern (1871 – 1914) ... er gehört zu jenen Käuzen, Die oft unvermittelt nackt Ehrfurcht vor dem Schönen packt.
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Und Räume heben sich auf, wenn dieser Dichter, Sohn eines Landschaftsmalers, Enkel zweier Landschaftsmaler, zum Beispiel von einem Lattenzaun zu erzählen beginnt: „Es war einmal ein Lattenzaun, mit Zwischenraum, hindurchzuschaun. Ein Architekt, der dieses sah, stand eines Abends plötzlich da und nahm den Zwischenraum heraus und baute draus ein großes Haus.“ Der Zwischenraum als Zweitwohnung zum Verrücktspielen – gar kein abwegiger Gedanke, oder? Hat man sich erst einmal eingelassen auf diesen, im rätselhaftesten Sinne des Wortes, verrückten Christian Morgenstern, wird man nicht zum Dichter, aber garantiert zum Gelegenheits-Dadaisten. (Übrigens: Dem Dadaismus ist Morgenstern mit seinem Gedicht „Das große Lalula“ um ein ganzes Jahrzehnt zuvorgekommen.) Und vor allem wird man ihn nicht wieder los, diesen skrupellosen Hütchenspieler zwischen Raum und Zeit, der mit Sprache umgehen konnte, wie der Lyrikerkollege Rilke, der in einem Brief an Morgenstern bewundernd schrieb: „Du Glückskind, wetten will ich fast, dass du die Taschen voller Sterne, die Seele voller Jubel hast.“ Die Seele voller Siebenschweine, Mondschafe und Werwölfe hatte er außerdem.
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